Kirche am Ort seit Jahrhunderten

Um 1222 gelobte der damalige Besitzer von Schloß und Stadt Crimmitschau eine Wallfahrt nach Palästina, in das gelobte Land. Bischof Engelhardt von Naumburg riet ihm, in diesen unsicheren Zeiten das Land nicht zu verlassen, statt dessen solle er für sein Seelenheil lieber ein Kloster gründen. Es entstand das Augustinerkloster im Martinstal bei Crimitschau.

In die Klosteranlage wurde die schon vorhandene Martinskirche integriert. Zur Ausstattung wurden dem Kloster die Kirche St. Laurentius in Crimmitschau, die St. Martinskirche selbst, die Kapelle auf dem Schloß Schweinsburg und die Kapelle in Bernsdorf (heute Kleinbernsdorf) überwiesen. Die Mönche sollten in diesen Kirchen die Messen lesen und Seelsorge betreiben. 1478 wurde, das durch Kriegswirren aufgegebene und verfallene Kloster, dem Carthäuserorden überlassen. Da Carthäusermönche keine Seelsorge betreiben, durften die Dorfbewohner die Martinskirche im Klosterbezirk nicht mehr besuchen. Es musste eine neue Kirche erbaut werden, diese entstand durch Hans Federangel und seinen Nachfolger Klilian Schicker. Die neue St.-Martins-Kirche wurde 1495 geweiht und wurde Namensgeber des Ortes.

Von Anfang an gehörten zur Kirche die umliegenden kleinen Dörfer Naundorf, Schiedel, Schweinsburg, Kleinhessen, und Culten. Die jeweiligen Besitzer von Schloss Schweinsburg waren die Patronatsherren der Kirche. Sie konnten bestimmen, wer Pfarrer wurde und beeinflussten auch das Baugeschehen. 1687/88 wurde ein neuer Turm an die Kirche angebaut, er bis heute erhalten ist. Zur Bezahlung wurde eine Sonderkollekte zur Taufe erbeten. 1869 musste die baufällig gewordene Kirche einem Neubau weichen.

Die Orgel von 1870 stammt aus der Werdauer Orgelbauwerkstatt von Gotthilf Bärmig, einem Schüler von Urban Kreutzbach aus Borna. An der Kirchendecke befanden sich 22 Medaillons, von denen nur noch der Jahreskreis im Kirchenschiff erhalten ist. Er zeigt im Zentrum das Lamm, als Symbol für Christus, umgeben von den Tierkreiszeichen für die jeweiligen Monate des Jahres. Über dem Altarplatz befindet sich das Symbol für Gott, es war umringt von Sinnbildern für die vier Tageszeiten Morgen, Mittag, Abend und Nacht.

Alle Medaillons wurden von der Schlossherrin selbst gemalt. Im ersten Weltkrieg mussten die Glocken zu Kriegszwecken abgegeben werden, nur die kleine Glocke durfte die Kirchgemeinde behalten und diese aus dem Jahr 1851 ist bis heute die einzige Bronzeglocke. Erst nach dem Krieg wurden zwei neue Stahlglocken in Torgau gegossen und 1921 geweiht. Um 1980 wurde die Kirche umfassend saniert sowie der Turmknopf geöffnet. Darin befanden sich verschiedene Münzen ab 1606 sowie Urkunden und Dokumente zur Orts- und Kirchengeschichte. Im Jahr 1995 feierte die Kirchgemeinde mit einer Festwoche 500 Jahre St.-Martins-Kirche an diesem Platz.

  • 1222 erste Erwähnung

  • 1495 neue St. Martinskirche

  • 1869 Abriss und Neubau Kirchenschiff

  • 1917 Abgabe Glocken und Orgelpfeifen

  • 1983 Öffnung Turmknopf

  • 1995 500 Jahre St.-Martins-Kirche